Italien-2017-Seite_6

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Donnerstag 21.09.2017 Roma – Sorrento: 276 km

Heute Nacht war es so kalt, dass man den langen Schlafanzug und die dicken Bettsocken brauchte! Aber es soll sonnig bleiben, aber tagsüber bei 22 Grad bleiben. Aber immerhin besser als in Marienheide und wir fahren ja auf jeden Fall weiter Richtung Süden!

Die Autostrada ließ sich prima fahren, es gab auch viel zu sehen. Das Latium südlich von Rom könnte man bei einer weiteren Reise genauer erkunden!

Vor Sorrento müssen wir dann doch noch 45 Minuten auf normalen Straßen fahren, es gibt viel Verkehr und 3 sehr lange Tunnel, einer davon ist 5 km lang! Man merkt, dass man in Süditalien ist, enge sehr befahrene Straßen und jede Menge verrückter Rollerfahrer. Man wundert sich, dass nicht mehr Unfälle passieren!

Nach und nach verstehen wir, wie die Italiener Auto fahren und finden das eigentlich ganz gut (wobei ich gestehen muss, dass ich mich hier nicht ums Auto fahren reiße!).

Also: die Italiener probieren, ob sie irgendwo einbiegen können und fahren dreist immer ein Stückchen weiter in den laufenden Verkehr, so lange, bis jemand sie rein lässt. Wenn nicht, dann eben nicht! Man guckt und probiert! Wenn man das nicht gewohnt ist, denkt man: der ist ja verrückt, ist doch viel zu gefährlich! Aber man erzwingt nichts, wie das die Deutschen gerne tun.

Der Campingplatz liegt oberhalb von Sorrento mit tollem Blick auf den Vesuv und den Golf von Neapel. Die Ein- und Ausfahrt ist schwierig, außer man wendet das italienische System an (siehe oben). Der Platz ist auf Terrassen angelegt, sehr weitläufig, man hat lange Wege, bezahlt wird nur mit einer speziellen Karte des Platzes. Die Sanitärs sind sauber und in Ordnung. Man weist uns einen total engen und schlecht gelegenen Stellplatz zu. Wir sind sauer! Laufen etwas herum und finden einen besseren Platz, auf dem wir uns dreist installieren. Dieser Platz liegt zwar fast ständig im Schatten, aber wir können auf das Meer und den Vesuv gucken und die Nachbarn sind meist VW Busse oder WoMos von ähnlicher Größe.

Da die Gurkerei zwischen Sorrento Ort und Campingplatz nervig ist, geht Rudi zu Fuß einkaufen. Das macht er nur dieses eine Mal! Er findet es lebensgefährlich, an dieser Straße entlang zu laufen. Wir nutzen später entweder den Shuttle des Platzes oder den normalen Bus.

Camping Santa Fortunata, Sorrento

Freitag, 22.09.2017 Sorrento

Der Plan für dieses Etappenziel ist, nach den zwei eher hektischen, lauten Tagen in der Großstadt Rom wieder etwas mehr Ruhe und Entspannung, gerne auch Natur zu genießen. Außerdem gibt es ja so viele wichtige Ziele in dieser Gegend am Golf von Neapel: Sorrento, Neapel (gut, ist wieder Großstadt), Wandern auf der Halbinsel zwischen Neapel und Sorrento, Pompeji, Amalfiküste, Capri und und und! Wir werden sehen!

Heute erkunden wir erst einmal unser neues Zuhause.

Nach einem gemütlichen Frühstück fahren wir mit dem Camping-Shuttle nach Sorrento.

Ist Ende September eigentlich nicht Nachsaison? Die Menschenmassen schieben sich durch Straßen und Gassen. Man hört fast nur amerikanische Töne, na gut, es gibt auch etliche asiatisch aussehende Menschen hier! Königswinter am Sonntag Nachmittag wäre (früher) nichts dagegen gewesen (Das ist unsere „Maßeinheit“ für Menschenmassen!).

Es ist alles auf den Tourismus ausgerichtet, Souvenirshops, Restaurants… Wir drehen eine kleine Runde, gucken von der Promenade runter auf Pools am Meer, amüsieren uns über einheitlich gekleidete Gruppen von Chinesen (?), schütteln den Kopf über bräsige Amerikaner, die wie selbstverständlich nur Englisch mit den Einheimischen sprechen und erstaunt erscheinen, wenn man sie nicht versteht. Erfreuen uns vor allem an dem Blick über den Golf von Neapel auf den majestätischen Vesuv! Eine Pizza auf die Hand, im recht gut sortierten Conad Supermarkt einkaufen, und dann geht es wieder nach oben auf den Platz.

Waschen, relaxen, lesen, kochen, planen.

Auf unserer Terrasse stehen nette Leute. Beispielsweise ein junges deutsches Paar mit einem VW Bus mit Dachzelt. Dieses Dachzelt haben sie so ausgerichtet, dass sie morgens früh beim Öffnen der Zeltplane auf den Vesuv gucken. Traumhaft! Wenn sie abends zu Bett gehen, ziehen sie ihre Teleskop-Leiter hoch, damit nur ja keiner sie stört! Süß!

Dann ein niederländisches Ehepaar mittleren Alters, das einfach zwei Stellplätze belegt. Auf einem steht ihr VW Bus, in dem sie ihre aus der Heimat mitgebrachten Vorräte verstaut haben, auf dem anderen leben sie in ihrem Zelt. Die Niederländer sind halt immer praktisch veranlagt.

Ein Paar aus Marburg hat ein interessantes Vordach, über das wir ins Gespräch kommen. Sie haben sich für 2 Tage einen Roller gemietet, um die Gegend zu erkunden. Wer einmal hier auf seinem Platz steht, bewegt das Fahrzeug nicht vom Fleck, denn es ist alles recht eng und man ist froh, wenn man „unfallfrei“ eingeparkt hat! Unsere unmittelbaren Nachbarn sind ein Ehepaar in unserem Alter in einem tollen neu aussehenden La Strada-Bus.

Spät abends kommt noch ein mittelgroßes Wohnmobil an, das in einen sehr engen Platz rein musste. Kleine leichte Aufgabe, alle anderen der Terrasse hatten gute Unterhaltung, sozusagen „Kintop umsonst!“

Samstag, 23.09.2017 Wanderung im Hinterland von Sorrento: Massa Lubrense

Die letzte Nacht war nicht mehr so kalt wie davor! Der Neuzugang von gestern Abend war wohl mit der Position des Womos nicht zufrieden und man hat hin- und herrangiert, mit dem Ergebnis, dass man gegen einen anderen VW Bus gefahren ist! Wir sind froh, dass wir nur einen „kleinen“ Bus haben!

Unsere unmittelbaren Nachbarn kommen aus WAF (Warendorf), sind pensionierte Lehrer (Ach!) und sind tatsächlich auf unserer Wellenlänge! Es ist die erste Reise mit diesem nagelneuen La Strada, aber sie sind „alte Hasen“, denn sie hatten diverse Wohnmobile davor. Wie wir sind sie auf der Reise in den Süden und so haben wir uns gut darüber unterhalten können und gegenseitig Tipps ausgetauscht.

Gegen Mittag machen wir uns mit dem A-EAV-Bus nach Massa Lubrese auf, um dort die Wanderung 37 aus dem Rother Wanderführer Golf von Neapel zu machen (5 km). Die ist sehr schön, immer mit dem Blick auf Capri durch Oliven- und Zitronenhaine. Es erscheint hier alles eher normal, natürlich, untouristisch und man tauscht sogar hie und da ein paar Worte mit Einheimischen aus. So haben wir uns das vorgestellt!

Abends kommen Annette und Wolfgang, die Nachbarn aus Warendorf, mit einem Glas Wein zu uns rüber und wir haben eine ganze Weile gequatscht. Der Beginn einer langen Freundschaft! Sie war Hauptschullehrerin, ist seit diesem Jahr in Pension und er war Berufsschullehrer, Coach, Mediator. Er ist seit 2 Jahren in Pension. Wir ticken tatsächlich ähnlich!

Sonntag, 24.09.2017 Vesuv und Hercolaneum

Wir wollen endlich unsere Ziele in dieser Gegend „abarbeiten“. Der Wecker geht heute also um 7 Uhr 30. Mit dem Bus geht es zum Bahnhof und dort besteigen wir die Circumvesuviana, die Bahnlinie, die Neapel und Sorrento verbindet und dabei in jedem Ort des Golfes anhält! Da die Endstation in Sorrento ist, können wir vorher einsteigen und finden auch Platz. Es wird nämlich zusehends voller, ab Pompeji dafür schlagartig leerer! Ach! Wir fahren bis Ercolano (ca. 1 Stunde), dort buchen wir einen Bustransfer( Vesuv-Express) zum Gipfel des Vesuv: 40 € pro Person incl. Eintritt.

Der Bus ist komplett, wir brauchen 40 Minuten, bis wir am Eingang des öffentlichen Zugangs des Gipfels bzw. Kraters sind. Wir bekommen grüne Punkte, werden eindringlich aufmerksam gemacht, dass wir uns in 1 ½ Stunden genau an dieser Stelle wieder einzufinden haben und dass unser Bus die Nummer 2 hat!

Dieser Parkplatz ist nur Bussen und Taxen vorbehalten, mit einem Privat-PKW müsste man eine ganze Ecke weiter unten halten und die Straße weiter hoch laufen. Das haben wir dann doch richtig gemacht!

Wir befinden uns auf ca. 1000 m Höhe, der Gipfel wird mit 1281 m verzeichnet, der Kratergrund liegt auf 951 m.

Es geht auf einem breiten Schotterweg nach oben, natürlich mit Steigung und ohne Schatten. Der Schotter macht den Weg an einigen Stellen etwas anstrengend, so dass man doch eine ganz Weile braucht, um den Kilometer bis zu Krater hinter sich zu bringen. Ich brauche 30 Minuten. Und wir haben ein Picknick mit, das wir oben in Ruhe verspeisen wollten. 30 Minuten hoch, 30 Minuten runter, Zeit zum Gucken und Fotografieren und Zeit zum gemütlichen Picknick? Die 1 ½ Stunden Zeit sind viel zu wenig! Also wird die Rast oben gestrichen!

Wir sind natürlich nicht die einzigen Besucher heute! Ganze Schulklassen und viele Touristen wandern in gefühlten 6er Reihen nach oben! Diese touristische Maschinerie vermiest mir den Spaß!

Auf dem Parkplatz zeigt sich mal wieder die negative Seite des ein oder anderen Menschen! Man hält sich nicht an das System der grünen und roten Punkte, steigt dreist in den falschen Bus ein, weil man nicht noch länger hat warten wollen und die Leute, die rechtmäßig hätten transportiert werden sollen, können nicht mehr einsteigen und sollen stehen bleiben! Als man diese Leute (Franzosen) auffordert, wieder auszusteigen, tun sie so, als hörten oder verständen nicht bzw. weigern sich. Der Busfahrer weigert sich auch… Toll! Er lässt dann Leute im Gang stehen (was er nicht darf) und fährt schließlich!

Eigentlich wollen wir uns noch die Ausgrabungen von Hercolaneum angucken, aber ich habe keinen Bock mehr. Wir picknicken irgendwo auf einer Mauer am Straßenrand in Ercolano und spazieren dann an den Ausgrabungsstätten vorbei. Ein anderes Mal vielleicht!

In Sorrento suchen wir die Haltestelle des Busses, der uns zum Campingplatz fahren soll. Unstimmigkeiten, dann gefunden, aber dort wieder diese rücksichtslosen Leute, die sich sehr dreist vordrängeln. Das sollen zivilisierte Leute sein! Ich bin bedient.

Annette und Wolfgang haben heute ähnliche Erfahrungen gemacht, als sie eine Tour mit dem Schiff nach Amalfi gemacht haben.

Es ist so schade, man ist in einer traumhaften Gegend mit vielen Attraktionen und erfährt noch Ende September diese egoistischen Ellenbogen-Touristen, die uns diese ganze Gegend hier vermiesen! Annette und Wolfgang reicht es auch, sie fahren morgen weiter!

Montag, 25.09.2017 Sorrento

Wir wollen nicht mit einer negativen Erinnerung weiter fahren und geben dieser Gegend noch eine Chance! Fast alle anderen auf unserer Terrasse fahren allerdings heute weiter.

Wir waschen, erholen uns vom gestrigen Ausflug, lesen, räumen und fahren nachmittags noch einmal in den Ort. Es ist leider wieder eher ätzend! Massen schieben sich durch den Ort.

Immerhin erstehe ich einen Neapel-Glücksbringer, ein Corno gegen den „bösen Blick“. Es ist den roten Peperoni nachempfunden. Bei mir kommt er an mein Armband aus Georgien, an dem auch eine Jakobsmuschel hängt! Man darf ihn dem Aberglauben nach nicht kaufen, sondern man muss ihn geschenkt bekommen! Ich schenke ihn mir!

Wir erkundigen uns auch nach Möglichkeiten, mit dem Bus nach Amalfi zu fahren. Dabei sehen wir die Haltestelle des Linienbusses, Dort wartet eine lange Schlange auf den nächsten Bus. Als der kommt, steigen die Leute ein, der Bus fährt weg und…: es stehen immer noch fast genauso viele Leute da, die auf den nächsten Bus warten… Nein, dann also doch nicht!

Die Marburger sind noch da, sie haken tapfer alle Sights ab. Heute waren sie mit Bus und Boot in Amalfi. Ihr Fazit: anstrengend aber lohnend. Sie waren auch auf Capri, gleiches Urteil.

Apropos Capri: die Schiffe, die die Touris dorthin bringen, fahren unterhalb unseres Campingplatzes entlang. Man kann sie gut hören und das ab spätestens 7 Uhr 30! Ein Boot nach dem anderen…

Dienstag, 26.09.2017 Wanderung Sant’Agata – Colli di San Pietro

Wir machen heute eine sehr schöne Wanderung mit tollen Ausblicken im Hinterland bzw. auf dem Rücken der Halbinsel von Sorrento. Man kann an etlichen Stellen beide Golfe sehen: den von Neapel und den von Sorrento! Wir kommen an Gemüsegärten vorbei und ich sehe das erste Mal, wie Auberginen wachsen, auch Peperoni wachsen dort. Es gibt herrliche Blicke in den Golf von Sorrento mit kleinen Buchten und einen tollen Weg durch einen Wald mit hohen Pinien.

Am Endpunkt der Wanderung können wir mit dem normalen Linienbus wieder nach Sorrento zurück fahren. Wir müssen 45 Minuten warten und beobachten dabei ein „verdächtiges“ Treffen von 2 Typen der Guardia di Finanzia mit einem Menschen, der Comorra Mitglied sein könnte. Eine heimliche Absprache? Korruption? Hinterhalt? Wenn man wartet, entwickelt man merkwürdige Fantasien.

Der Bus kommt – und erinnert euch an meine Beschreibung zum Linienbus nach Amalfi – er ist proppenvoll, wir müssen stehen, die Luft ist schlecht, viele sehen nicht wirklich entspannt aus. Kein Wunder, die sitzen ja schon mindestens 1 Stunde in dem Bus, bei den Serpentinen!

Das macht keinen Spaß!

Es war heute eine sehr schöne Wanderung, aber der ganze Aufwand für die Hin- und Rückfahrt lohnt sich eigentlich nicht, die Wanderung war nur 6 km lang.

Im Ort sehen wir wieder all diese bräsigen egoistischen Touris, die alles auf dem silbernen Tablett serviert erwarten.

Morgen geht es definitiv weiter!

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