Italien-2017-Seite_8

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Dienstag, 03.10.2017 Paestum – Cirella: 132 km

Weiter geht es! Wir streifen heute die Basilikata und erreichen Kalabrien! Zunächst fahren wir mitten durch das Cilento. Tolle Landschaft, aber nicht viel Orte! Trotzdem könnte man sich noch einmal mit dieser Gegend befassen! Zumal wir doch hier ein Buch mit Wanderungen und Infos über das Cilento erstanden haben.

Kurz vor Sapri kommen wir wieder an die Küste und befahren dann eine tolle Serpentinenstraße, die es mit der berühmten Küstenstraße bei Amalfi sicher aufnehmen könnte. Kurz davor lasse ich mich überreden, auch einmal zu fahren. Na klar, kann ich! Aber nach einer Weile auf besagter Straße habe ich das Handtuch geworfen! Links Berghänge, rechts steil hinunter das Meer. Und das alles mit vielen Kurven! Schweißgebadet übergebe ich an einer Ausweichstelle das Lenkrad wieder an Rudi.

Aber der Blick auf das Meer ist traumhaft! Wir sehen ein Stück weiter bei Maratea die Christusstatue, von der wir in einer der vielen Sendungen über Italien gehört hatten.

Zum ersten Mal übernachten wir heute auf einem Stellplatz. Dieser hat nämlich Duschen und WCs und ist uns empfohlen worden. Er liegt in Cirella, kurz vor Diamante in Kalabrien. Es gibt Schatten und Strand und viel Platz. Leider auch Mücken und Fliegen!

Die Österreicherin Anna führt hier das Regiment, sozusagen als „Freundschaftsdienst“ – weil sie immer wieder herkommt – , erklärt Regeln, gibt Tipps und kassiert auch. Wir machen einen kleinen Spaziergang entlang des Strandes in den kleinen Ort und kaufen dort in einem typisch italienischen Gemüseladen Zutaten für das Abendessen. Den Aufstieg zu den Ruinen des alten Ortes sparen wir uns.

Area Camper Ulisse, Cirella

Mittwoch, 04.10.2017, Cirella – Tropea: 163 km

Heute Vormittag gucken wir uns Diamante an. Dieser kleine Ort ist bekannt für drei Dinge: für ca. 200 Murales (Wandmalereien) die (ab) 1981 von 80 Künstlern gestaltet wurden, für die Chilis aus Kalabrien (Anfang September gibt es das berühmte Chili-Festival hier) und für die dickfleischigen Zitronatzitronen, den Cedri.

Wir frühstücken an der Strandpromenade (ist es das berühmte Caffè Nini?) und lernen mal wieder etwas typisch Italienisches: als wir ein Brioche und ein Cornetto (Hörnchen bzw. Croissant) bestellen, werden wir gefragt, wie es sein soll. Unverständnis unsererseits. Ciocolato? Marmellata? Crema? – Nein! – Vuoto? – Das heißt leer! Also ohne alles! – Si!- In Italien isst man dies mit irgendeiner Füllung! Aha!

Danach streifen wir durch den Ort. An allen Ecken sieht man die Murales. Eigentlich haben alle auch eine Aussage. Toll! Man muss wirklich mit Bedacht durch den Ort gehen, damit man nichts übersieht! Es gibt auch überall Souvenirläden, im Sommer muss hier viel mehr los sein. Aber so wie heute hat man genug Muße um den Ort zu genießen. Wir kaufen aufgefädelte Chilis, Chili-Marmelade und auch Marmellata di Cedri.

Apropos Marmelade: Annette ist ein Fan des Marmeladekochens und hat immer die nötigen Utensilien dabei, damit sie mit den lokalen Früchten unterwegs Marmelade kochen kann! Sie will das auch mit den hiesigen Cedri machen.

Auf dem Weg zum Auto kommen wir noch an einem Juweliergeschäft vorbei, wo ich mir zwei Chilis aus Emaille kaufe, die ich zu Ohrringen verarbeiten will!

Diamante ist wirklich ein „Edelstein“!

Die weitere Strecke nach Tropea ist eher öde, Amantea liegt ganz schön. Nett wird es erst wieder in Pizzo, der Hauptstadt des Tartuffo-Eises. Der Ort ist schon sehr pittoresk, auf der Piazza wird auch fleißig Tartuffo verspeist.

Es wird immer schwüler und dunkle Wolken ziehen auf. Also verzichten wir auf weitere Exkursionen hier und fahren nach Tropea, unserem heutigen Etappenziel.

Der Platz, für den wir uns entscheiden, ist ein wenig teurer als der benachbarte, dafür hat er etwas mehr Flair. Allerdings bin ich noch dabei den richtigen Flair zu suchen! Man braucht Duschmarken.

Immerhin liegt der Platz am Meer mit eigenem Zugang zum Strand und auf der anderen Seite geht die Treppe hoch in den Ort und zur Aussichtsterrasse für das allabendliche Sonnenuntergangsspektakel.

Wir nehmen an eben diesem Spektakel natürlich teil, es ist schon toll! Man sieht auch Stromboli und andere Liparische Inseln. Ich war ja schon mal vor 40 Jahren (!!!) mit Richard und Thissy hier und der arme Rudi muss sich immer anhören, an was ich mich erinnere! Immerhin erinnere ich mich vage an diese Aussichtsterrasse.

Es ist noch einiges los hier, aber nicht so viel wie in Sorrento und nicht so wenig wie in Castel del Piano (Toskana). Eine angenehme Mischung!

Wir genehmigen uns einen aperitivo mit Häppchen (8 € für beide!).

Camping Marina del Convento, Tropea

Donnerstag, 05.10.17 Tropea

Heute ist mal wieder Urlaub angesagt! Die Wolken von gestern haben sich verzogen, es ist schon morgens schwül-warm. Wir sind ja auch schon weit im Süden! Normalerweise gibt es wohl Bastmatten oder irgendwelche Planen, die den Stellplätzen Schatten spenden sollen, aber weil schon Nebensaison ist, gibt es die nicht mehr. Es wird also heute tagsüber recht heiß hier! Nachts ist es übrigens so warm, dass wir nur noch unter den Bettbezügen schlafen!

Nach dem Frühstück gehen wir an den Strand. Das Wasser ist ein Traum! Sogar ich war mindestens dreimal im Wasser! Nur die Kieselsteine machen das Laufen ein wenig beschwerlich. Wir werden uns „Wasserschuhe“ anschaffen! Die finden wir abends im Ort. Außerdem kaufen wir von den berühmten roten Tropea-Zwiebeln, aus denen Rudi eine außerordentlich köstliche Pasta-Sauce zaubert. Auch ein Aperitif darf im Ort nicht fehlen, dieses Mal testen wir ein anderes Lokal. Der Apérol-Spritz ist heute besser, dafür sind die Häppchen nicht so gut wie gestern, das Frittierfett ist zu intensiv! Immerhin gibt es auch Scampi und Tintenfischringe, 12 € für beide!

Natürlich gibt es wieder den Sonnenuntergang von der Terrasse, nur echt mit Stromboli im Hintergrund! Ein schöner Tag!

Freitag, 06.10.2017 Capo Vaticano

Da es heute morgen nicht so strahlend schön wie gestern ist, sondern wolkiger und windiger, fahren wir heute Vormittag zum Capo Vaticano!

Also, ich war ja schon mal hier, aber auf einem ganz anderen Platz, da war der Strand noch viel schöner. Ich würde das gerne finden und liege natürlich Rudi damit in den Ohren! Irgendwie war der Platz außerhalb von Tropea und lag oberhalb des Strandes, so dass man erst einen recht weiten Weg runter bzw. rauf gehen musste….Während wir nach Capo Vaticano fahren, suche ich den Horizont nach Erinnerungen ab. Umsonst! Ich habe sogar Richard danach gefragt, aber der weiß überhaupt nichts mehr!

Auf jeden Fall ist der Blick vom Capo Vaticano traumhaft! Buchten tief unten, die Küstenlinie weit nach Süden sichtbar, vielleicht ist einer der Umrisse Sizilien?! Es ist schon schön hier!

Es gibt ein Café hier, da hat man die lokalen Köstlichkeiten – die man natürlich hier erwerben kann – an einem Baum aufgehängt! Tolle Idee!

Und den Campingplatz mit Strand von1977 haben wir natürlich nicht gefunden – ich habe jetzt meinen Frieden mit der Suche gemacht!

Am Nachmittag gehen wir noch einmal an den Strand, aber heute ist es deutlich kühler. Durch den Wind gibt es viel mehr Wellen und man hat oft das Gefühl, dass es gleich regnen wird.

Wir laufen noch einmal in die andere Richtung am Strand entlang, es ist schon recht leer, es wird wirklich ungemütlich durch den Wind.

Samstag, 07.10.2017 Wanderung bei Zungri

Heute Nacht war es ziemlich windig, heute Morgen gibt es richtige Wellen, zum Teil ist der Strand überspült. Wir frühstücken mit langen Hosen. Aber es wird dann später doch wieder sonnig und warm!

Rudi hatte sich die alle möglichen Tracks der Rother-Wanderführer für Italien vor der Abreise heruntergeladen. Da wir nicht wussten, wo wir überall landen würden, wollten wir nicht zu viele Bücher „umsonst“ kaufen. Aber so haben wir immerhin auch hier die Möglichkeit, gezielte Wanderungen zu unternehmen.

Heute geht es nach Zungri, einem kleinen Ort im Hinterland von Tropea. Dort gibt es die Reste von Höhlenwohnungen aus dem 12. bis 14. Jahrhundert. Die Bewohner zogen sich dorthin zurück, um sich vor den Angriffen der Sarazenen zu schützen. Eine schöne kleine Wanderung (7,9 km), die zuerst durch dieses Höhlendorf geht und dann eine weite Runde über die Höhen mit weiten Blicken geht. Leider finden wir keinen geeigneten Platz für eine Picknickspause. Also begehen wir unseren alten Fehler: durchlaufen ohne Pause! Wahrscheinlich ist mir auch deshalb der zweite Teil der Wanderung eher negativ in Erinnerung: es geht nur bergauf!

Und wir kommen wieder einige Mal an Müll vorbei, das ist leider typisch für Süditalien!

Wir haben auf dem Campingplatz neue Nachbarn mit einem selbst ausgebauten T4. Das haben wir noch nie gesehen: man hat sich einen Kicker in Kneipengröße in den Bus eingebaut! Der Kicker ist versenkbar und kann ausgezogen werden, so dass man an der Heckklappe bequem mit genug Platz spielen kann! Der Platz zum Schlafen befindet sich in einem Dachzelt!

Die beiden Bayern erzählen, dass sie 1 Jahr lang mit diesem Bus in Südamerika unterwegs waren. Der Kicker hat zu zahlreichen Kontakten geführt, weil jeder sie darauf ansprach und gerne auch mal ein Spielchen mit ihnen machen wollte.

Inzwischen sind auch Annette und Wolfgang hier angekommen. Wir trinken zusammen ein Weinchen in ihrem WoMo.

Sonntag, 08.10.2017 Rund um die Schluchten von Tropea

Heute Nacht war Sturm, entsprechend aufgewühlt ist das Wasser. Vom Strand ist kaum etwas zu sehen. Der Zugang vom Platz zum Strand ist gesperrt. Es ist auch deutlich kühler. Allerdings wird es tagsüber wieder schön, so dass wir noch einmal wandern gehen können.

Es geht um die Schluchten von Tropea bei Carì (8,7 km).

Wir parken am Haus der Waldbrand-Hüter, die wohl auch heute am Sonntag Dienst haben. Schon auf den ersten Metern stolpern wir über unglaubliche Mengen an Müll! Damit meine ich nicht weggeworfenes Bonbon-Papier oder Verpackung von Schokoriegeln, sondern Waschmaschinen, Kühlschränke, Industriemüll, Schutt, Bremsscheiben! Es ist nicht zu glauben.

Gottseidank geht das nicht den ganzen Weg so. Im Gegenteil: es gibt super Ausblicke von ca. 530 m Höhe auf das Meer, den Stomboli und die Liparischen Inseln, Sizilien und Tropea! Nach dem Sturm der Nacht ist die Luft unglaublich klar.

Wir gehen durch karstige Flächen und vorbei an Flächen, die zeigen, dass es hier vor Kurzem gebrannt haben muss. Es ist ein schöner Weg, sehr Mama-freundlich, es geht wenig bergauf und es gibt keine Abgründe! Allerdings finden wir auch wieder Autowracks mitten in der Landschaft. Man fragt sich, wie man diese Autos hierher gebracht hat!

Heute finden wir auch einen sehr schönen Rast-Platz mit Blick auf Tropea! Ein Träumchen!

Aber die Kehrseite der Medaille kommt dann sehr schnell. Der Weg ist verbarrikadiert! Es geht gerade durch einen romantischen Olivenhain, dann: Stacheldraht! Der Track ist alt, wir haben keine richtigen Unterlagen und irgendwo läutet ein Glöckchen: jemand hat doch irgendwo im Netz geschrieben, dass der Weg nicht mehr begehbar sei! Ach! Stimmt also! Mangels vernünftiger Unterlagen bleibt uns nichts anderes übrig, als auf dem gleichen Weg wieder zurück zu gehen. Aus 8,7 km werden 10 km!

Das wird heute der letzte Abend in Tropea, der letzte Sonnenuntergang, der letzte Aperitif, das letzte Treffen mit den „Sorrenties“, wie wir uns inzwischen gegenseitig nennen. Annette hat diesen Namen erfunden, als sie die gemeinsame WhatsApp-Gruppe einrichtete.

Zuerst also der Sonnenuntergang, heute mit unglaublich klarer Luft. Es sieht aus, als ob der Stromboli Lava spukt, weil die Sonne genau über dem Krater steht! Heute kann man auch die andern Inseln gut sehen.

Unterwegs im Ort treffen wir auf Wolfgang und Annette. Ihre Stimmung ist trüb, Annette geht es nicht gut wegen des Arms und unerklärbaren Bauchschmerzen und Koliken. Sie wollten ja eigentlich bis Sizilien fahren und sich dort umschauen, um dann mit der Fähre nach Genua zurück zu fahren. Nun werden sie morgen wieder nach Norden fahren, nach Hause! Sehr schade!

Wir genehmigen uns einen Aperitif in einer moderneren Bar und verabschieden uns von Tropea!

Die Anzahl der Bilder zeigt: die Reise wird immer traumhafter!

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