Italien-2017-Seite_9

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Montag, 09.10.2017 Tropea – Cerchiara di Calabria: 216 km

Eigentlich wollen wir zum Wandern in das Sila-Gebirge fahren, aber es regnet heute morgen und der Wetterbericht spricht von einstelligen Nachttemperaturen, auch tagsüber soll es nicht viel wärmer werden. Und das bei Regen! Das macht keinen Spaß!

Also: Planänderung! Wir fahren nach Norden Richtung Pollino-Naturpark. Da wollen wir die Raganello-Schlucht sehen!

Unterwegs sichern wir uns telefonisch einen Stellplatz bei einem Agroturismo. Die Fahrt auf der Autostrada geht durch den Apennin, vorbei an Cosenza und ist stellenweise recht eindrucksvoll. Wir fahren bis ungefähr auf die Höhe von Castrovillari, verlassen die Autobahn und fahren schon mal am Ausgang der Schlucht vorbei.

Unser Übernachtungsplatz, ein Bauernhaus mit Platz für 3 WoMos und einigen Zimmern, liegt aber noch ein Stück weiter, ziemlich einsam. Wir sind die einzigen Gäste. Aber wir haben einen Blick bis zum Meer, dem Golfo di Taranto.

Maria, die Dame des Hauses begrüßt uns mit O-Saft und Küchelchen. Man spricht nur Italienisch! Dieser Agroturismo stand in einer alten Ausgabe des ReiseKnowHow drin (übrigens scheint die nächste Generation ihn einfach übernommen zu haben, wenn ich die Infos aus dem Netz richtig interpretiere, Stand Januar 2021). Maria liebt Führung durch ihr Haus und Hof! Zuerst die Fotos der früheren Gäste (mit ausführlicher Erläuterung über das „Wer“ und „Woher“), danach Hof, Gemüsegarten und Tiere. Das dauert ca 1 ½ Stunden! Wie der Herr, so das Tier: der Hund Lucky ist ziemlich aufdringlich, folgt uns bis zum Bus und will auch rein!

Wir haben „con cena“ (mit Abendessen) bestellt. Rudi und ich sind diesbezüglich etwas unterschiedlicher Meinung, Rudi findet das Essen furchtbar, ich finde es geht. Auf jeden Fall sind Maria und Salvatore geschäftstüchtig. Vorwiegend Produkte aus dem eigenen Garten, Preis 40 €.

1.) hausgemachte Pasta mit Tomatensauce, 2.) Hühnchenteile, Salat , Kartoffelgratin, 3.) frutta 4.) Rosenlikör (fatto a casa) , dazu vino rosso (fatto a casa).

Der Abend ist insgesamt sehr anstrengend, vor allem für mich. Während Maria in der Küche ist und das Essen zubereitet, leistet uns Salvatore, der Hausherr, Gesellschaft. Der macht brav Konversation, gerne über politische Themen! Auf Italienisch! Dazu Philosophisches oder Witze!

Wir brauchen heute Nacht zusätzlich die Fleecedecke, es ist ziemlich kalt.

Agroturismo Acampora, Cerchiara di Calabria

Dienstag, 10.10.2017 Cerchiara di Calabria – Matera: 159 km

Wir sind zu wohlerzogen! Gehen höflich auf das ein, was Maria anreißt! Nach dem Frühstück kommen wir gar nicht los, weil Maria nicht aufhört zu erzählen. Ein falscher Satz und schon gibt es einen Anknüpfungspunkt für Maria! Auf diese Weise sehen und „bewundern“ wir den Anbau mit den Zimmern und Marias Häkelwerke, jedes einzeln. Und die Winter sind lang! Sie häkelt offensichtlich viel!

Schließlich kommen wir los und fahren nach Civita, von wo wir die Raganello-Schlucht in einer Light-Version erkunden. Der Ort liegt malerisch hoch im Tal des Raganello-Baches. Die Gegend hier im Pollino-Nationalpark eignet sich bestimmt gut zum Wandern!

Der Ort Civita entstand als Zufluchtsort für Flüchtlinge aus Albanien. Deshalb sind Straßenschilder auch in albanischer Sprache zu sehen. Es gibt auch eine tolle orthodoxe Kirche. Am Ortseingang kann man das Denkmal des albanischen Nationalhelden Skanderberg bewundern.

Wir parken am Ortsrand und gehen zu Fuß fast bis zur Teufelsbrücke. Eigentlich müsste man erst weiter hoch laufen (da muss es einen tollen Aussichtsplatz geben) und dann durch die Schlucht bis unter die Teufelsbrücke laufen. Hier ist die Schlucht eigentlich zuende. Rudi steigt noch in den Fluss hinunter, ich betrachte die Natur um mich herum von der Brücke aus. Alleine das kleine Stück von der Brücke zurück in den Ort dauert 30 Minuten, weil es stetig steil bergauf geht!

Weiter geht es hinunter zum Golf von Taranto auf dem Weg nach Matera. Irgendwo am Golf machen wir an der Strandpromenade, die völlig verwaist ist, idyllisch Mittag mit Blick auf den Golf.

Das Wetter wird wechselhaft und wir kommen bei dunklen Wolken, später Regen auf dem Stellplatz an. Ist eine Mischung aus einfachem WoMo-Platz (ohne Flair) und Campingplatz. Für die Duschen muss man einen Schlüssel gegen 1 € holen.

Wenn man sich – wie heute Abend – im Bus aufhalten muss, wird es schon eng und kurmelig. Wir sind auch ein wenig verwöhnt, seit 5 ½ Wochen sind wir gewohnt, draußen leben zu können!

Stellplatz Masseria del Pantaleone, Matera

Mittwoch, 11.10.2017 Matera – Gallipoli: 231 km

Plan für heute: Matera angucken und weiter bis Gallipoli fahren. Den Shuttle in die Stadt (9 Uhr 30) schaffen wir nicht, weil plötzlich ein heftiger Schauer herunter kommt. Natürlich ist noch einiges nicht eingepackt, die (schützende) Markise aber schon eingerollt! Rudi kämpft tapfer mit Regenschirm gegen die Wassermassen, ich warte im Bus! Als es endlich aufhört zu schütten, ist der Shuttle weg. Gut, dann fahren wir eben mit dem eigenen Bus in den Ort. Es ist einfacher als gedacht, wir finden einen guten Platz zum Parken am Straßenrad, billig und nah zum Zentrum.

Wir streifen nun 3 Stunden durch Matera, die Europäische Kulturhaupstadt 2019. Dieses Ereignis hat sich bereits ausgewirkt. Alles wirkt ordentlich und wie geleckt! Mit ist das zu steril, durch die Renovierungen für 2019 hat man die Stadt des Flairs beraubt. Wir hatten Berichte über Matera gesehen, in denen von unzumutbaren Wohnverhältnissen und Armut gesprochen wurde. Davon kann man nichts mehr erkennen, was ja eigentlich auch gut ist. Aber eben im Augenblick zu steril. Es sind natürlich einige Busladungen unterwegs und es gibt Schlangen an einigen besonderen Sehenswürdigkeiten.

Man hat in der Innenstadt die Wohnungen, die übereinander geschachtelt sind, renoviert und zu Szenelokalen und hippen Geschäften gemacht. Vielleicht fehlt auch Flair, weil in den Gassen relativ wenig los ist, es ist tagsüber und Nebensaison.

Toll finde ich erst den Blick in die Schlucht und die Höhlen gegenüber. Wegen der Schlangen und dem Eintritt verzichten wir auf die Besichtigung der Höhlenkirchen – im Nachhinein finde ich das sehr schade! Der Blick von hier zurück auf das Zentrum mit dem Wirrwarr von Gässchen ist schon toll, versöhnt mich, ebenso wie die prähistorischen Höhlen (wären wahrscheinlich auch eine Wanderung wert) und die Schlucht!

Die Weiterfahrt nach Gallipoli zieht sich dann. Bei Massafra soll es jede Menge Höhlenkirchen und Höhlenwohnungen geben.

Hinter Sava wird es schöner, nur noch Olivenhaine. Die Orte haben hier in Apulien oft Flachdächer und ihre weißen Wände leuchten in der Sonne. Das mutet etwas orientalisch an. Außerdem gibt es wohl viele Reste griechischer Besiedlung.

Der Campingplatz liegt etwas außerhalb von Gallipoli, aber quasi nebenan ist ein Supermarkt. Wir finden den Platz angenehm, müssen uns aber mit dem Installieren beeilen, denn inzwischen geht die Sonne schon früh unter, und ab 17 Uhr ist Abendstimmung.

Agricamper Torre Sabea, Gallipoli

Donnerstag, 12.10.2017 Gallipoli

Heute Nacht war es kalt! Alles draußen ist beschlagen und feucht! Aber die Gegend hier ist recht flach und die Sonne ist früh (8 uhr) da und trocknet alles.

Während des Frühstücks kommt ein junger Mann mit einer Ape (Dreirad-Auto) über den Platz und bietet allen frische Gamberi an! Die hat er auf einer Eisschicht unter einer Plane auf der Ladefläche. 15 € für 1 Kilo, da kann man nicht meckern! Also erstehen wir 860 Gramm für 10 €! Mal sehen, wie wir die heute Abend machen!

Heute haben wir mal wieder „Urlaub“, also kein Autofahren, keine „Pflicht-Besichtigungen“, dafür Waschtag.

Nebenan ist ein gut ausgestatteter Familia-Supermercato. Prima! Es geht uns gut!

Gegen 16 Uhr 30 fahren wir mit den Rädern in den Ort und spazieren erst einmal um die Altstadt. Nett, einige schöne Lokale mit Blick auf das Meer, aber es ist echt nichts mehr los! Schade, etwas mehr Leben wäre schön! Das ist halt der Preis für Nebensaison! Wir gehen auch durch die engen Gässchen und an Kirchen vorbei. Eine hat es uns besonders angetan: Sant’Agata, die bietet Rudi mit ihren Folterbildern wieder reichlich Motive für die Grausamkeit der katholischen Kirche.

Abends ist Krabben-Pulen angesagt. Das ist ganz schön mühselig! Wir haben uns vorher bei unseren Nachbarn, Franzosen aus Avignon, Tipps zur Verarbeitung der Gamberi geholt!

Nach einem Drittel lassen wir es sein und haben so zwei Varianten, die beide superlecker sind: einmal ganze gebratene Gamberi in Öl und reichlich Knofel mit Brot und dann frische Bandnudeln mit in Öl und reichlich Knofel gegarten Gamberi.

Wir verbrauchen eine halbe Rolle Küchenpapier für die öligen Finger beim Essen!

Es wird wirklich früh dunkel und dann wird es sofort ziemlich kühl, feucht und ungemütlich!

Freitag, 13.10.2017 Rundreise Nardò – Lecce

Über diesen Tag habe ich genau 5 Sätze in mein Tagebuch geschrieben! Das spricht schon Bände!

Also: Nardò und Lecce gelten als Städte des Barocks. Außerdem soll heute Markt in Nardò sein. Dann machen wir doch eine kleine Rundreise daraus!

Mercato di Nardò: eher armselig, in eher heruntergekommenen Gegend, nichts Pittoreskes, wir haben sogar Angst um unseren am Straßenrand abgestellten Bus. Also nichts wie weiter!

Nardò: absolut tote Hose! Die berühmtesten Sehenswürdigkeiten, die Piazza Salandra und die Kathedrale sind zügig besichtigt.

Lecce: ? Eigentlich kann ich mich überhaupt nicht daran erinnern! Waren wir wirklich da? Zumindest steht in meinem Tagebuch: „Lecce: wieder voller bräsiger deutscher Rentner und alle Läden zu: Siesta!“ Suche ich heute Informationen über Lecce im Netz, sehe ich Fotos von schönen Bauwerken und Plätzen! Wir sind wohl quasi sofort wieder umgekehrt und zurück zum Platz gefahren!

Aus meinem Tagebuch: „Alles eher anstrengend und wenig ertragreich! Wir können keine Kirchen mehr sehen!“

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